Blankenfelde - Vom Rieselfeld zum Genossenschaftsbau

Exkursion

Blankenfelde - Vom Rieselfeld zum Genossenschaftsbau

Neue Nutzung des ehemaligen Stadtguts Blankenfelde

Berlin-Brandenburgische Stadtexkursionen

Tagungsnr.
34/2019
Von: 21.09.2019 10:45
Bis: 21.09.2019 18:00
Hobrechtsfelde / Blankenfelde

Inhalt

In Zeiten von Wohnungsmangel, steigenden Mieten und Mieterverdrängung sollte genossenschaftliches Bauen an Bedeutung gewinnen. Zwei Beispiele in ehemals von Rieselfeldern umgebenen Stadtgütern zeigen Möglichkeiten, mit Genossenschaften Wohnraum zu erhalten und aufzuwerten oder auch neu zu schaffen. Gleichzeitig können neue Formen des Zusammenlebens erprobt werden. Im ehemaligen Stadtgut Hobrechtsfelde, einem ensemblegeschützten Straßendorf, hat die Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe mehr als 20 Wohnhäuser mit 86 Wohnungen gekauft und saniert. Das Gemeinschaftshaus mit Wohnungen befindet sich in Sanierung. Im weitgehend erhaltenen denkmalgeschützten Stadtgut Blankenfelde wurde von der Mietergenossenschaft SelbstBau e.g. Wohnsubstanz durch Sanierung erhalten und mit Neubau ergänzt. In den historischen Bauten sind Firmen und Initiativen, ein Café und eine Freie Naturschule angesiedelt. Auf einem Gelände in unmittelbarer Nähe wurden Reste eines Zwangsarbeiterlagers entdeckt. Eine Initiative setzt sich für die Schaffung eines Gedenkortes ein.
1882 kaufte die Stadt Berlin das Gut Blankenfelde und weitere Ländereien, um nach Plänen des Stadtbaurats James Hobrecht Rieselfelder anzulegen und so die katastrophale hygienische Situation in der Großstadt zu verbessern. Nach rund 100 Jahren wechselvoller Geschichte des Gutes (die Ausstellung sehen wir uns am Nachmittag an) wurde die Berieselung erst 1985 eingestellt. Der Aufforstung folgte 2004 die Erklärung zum Landschaftsschutzgebiet.

Obwohl das Gut mit einer Fläche von mehr als 5 ha, einem öffentlich zugänglichen Park und den 17 Gebäuden seit 1996 unter Denkmalschutz steht, kam es zunehmend zu Leerstand und die Gebäude verfielen immer mehr. 2004 gründete sich der Verein StadtGut e.V. mit dem Ziel, das Areal zu retten und nachhaltig zu nutzen. Der Verein hat 150 Mitglieder, er sieht sich als gemeinnütziges Natur-, Kultur-, Lebens- und Arbeitsprojekt und praktiziert gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten. 2006 konnte er die Liegenschaft übernehmen und anfangen, Ordnung zu schaffen – mit sehr viel Eigenleistung, u.a. auch Altlastensanierung. Im selben Jahr öffnete der Waldkindergarten, 2007 die Freie Naturschule.
In Kooperation mit der 1990 gegründeten Mietergenossenschaft SelbstBau e.G. begann 2009 die Sanierung mehrerer Gebäude, der Idee des selbstbestimmten und bezahlbaren Wohnens folgend. Im ehemaligen Gutshaus und im Kurhaus entstanden 27 Wohnungen. Die Steinscheune bietet Wohnungen, Gewerbe-, Ausstellungs- und Seminarräume und das Café Traktorista mit einer Dauerausstellung über das Stadtgut.
Zur Zeit wohnen hier 57 Erwachsene und 37 Kinder. Alle Erwachsenen sind Mitglieder von Verein wie Genossenschaft und bereit, langfristig und engagiert an dem Projekt mitzuwirken – am allwöchentlichen Samstagswerk zum Beispiel, in verschiedenen Arbeitsgruppen oder beim Kochen in der Gemeinschaftsküche.

In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Stadtguts steht die um 1416 errichtete Feldsteinkirche, eine von mehr als 50 unter Denkmalschutz stehenden Dorfkirchen in Berlin. Bei Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen bekam die Kirche 1680 einen liegenden Dachstuhl und den Dachturm. Den verheerenden Dorfbrand von 1776 überstand sie unbeschadet. 1938 bis 1941 wurde der mittelalterliche Zustand wieder hergestellt, die barocke Ausstattung ging verloren. Aus dieser Zeit stammt die Schuke-Orgel.

Von 1940 bis 1945 gab es, wie auch schon im Ersten Weltkrieg, in Blankenfelde mehrere Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen, die auch auf dem Stadtgut arbeiten mussten.
Vom Stadtmuseum Pankow und von Schüler*innen des Max-Delbrück-Gymnasiums initiierte, vom Landesdenkmalamt unterstützte Suchgrabungen im Jahr 2009, machten Fundamente sichtbar und förderten Fundstücke zutage. Die systematische Freilegung aller erhaltenen Spuren steht noch aus. Dort, wo jetzt eine Gedenktafel steht, soll nach Forderung des Runden Tischs Blankenfelde ein Gedenkort geschaffen werden.

Heinz-Joachim Lohmann
Evangelische Akademie zu Berlin

Helga Wetzel
Arbeitskreis Stadtpolitik

Programm

Anreise (individuell),
bitte unbedingt in den Pankower Ortsteil Blankenfelde fahren, nicht in das Städtchen Blankenfelde-Mahlow im Land Brandenburg!!

Linienbus 107, Richtung Schildow Kirche
Haltestelle: Hermann-Hesse-Str./Waldstr., ab 10.16 Uhr (im 20-Min.-Takt) an 10.25 Uhr Haltestelle Blankenfelde Kirche, dort auch Treffpunkt

(Vorschlag: Die Haltestelle Hermann-Hesse-Str./Waldstr. ist u.a. mit
Tram M1 Am Kupfergraben – Niederschönhausen/Schillerstr. erreichbar. Haltestellen u.a.: U-Bhf Oranienburger Tor, U-Bhf Rosenthaler Platz,
S-Bhf Hackescher Markt, U + S-Bhf Schönhauser Allee, U + S-Bhf Pankow)

10.45 Uhr Dorfkirche Blankenfelde
Andacht, Geschichte der Kirche, Gemeindearbeit
Pfarrer i. R. Ludwig Burmeister, ehemaliger Gemeindepfarrer

12.00 Uhr Mittagspause
Mittagessen im Café Traktorista, Hauptstraße 24 – 30.
Bitte teilen Sie uns Ihren Essenswunsch in der Anmeldung mit.

13.30 Uhr Verein StadtGut e.V.
Hauptstraße 24 - 30
Arbeit des Vereins, Bauen und Leben in der Genossenschaft,
Kooperation mit Mietergenossenschaft SelbstBau e.G.
Führung und Gespräch: Dr. Patrick Neubauer, im Vorstand des Vereins,
Sprecher der Wohngruppe

16.00 Uhr Fußweg zum Lagergelände (15 Min.)
Standort des ehemaligen Lagers für Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter*innen

Geschichte und Zukunft des Standorts
Liso Lawrynowicz, Mitglied des Vereins
Fußweg zurück

17.00 Uhr Café Traktorista
Besichtigung der Ausstellung über das Stadtgut Blankenfelde
und Kaffeetrinken (jeweils individuell)

18.00 Uhr Rückfahrt (individuell) mit dem Linienbus 107
Richtung Niederschönhausen / Hermann-Hesse-Str.
Haltestelle Blankenfelde Kirche (gegenüber Ankunft)
Ab 18.01 Uhr (im 20-Min.-Takt)


Änderungen des Programms vorbehalten!

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Leitung

Heinz-Joachim Lohmann

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche im ländlichen Raum

Telefon (030) 203 55 - 407

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