"Es besteht keine Staatskirche"

Abendforum

"Es besteht keine Staatskirche"

Der lange Weg von Weimar bis zur Demokratiedenkschrift

Kirche als Lernort der Demokratie? I

Tagungsnr.
12-1/2019
Von: 28.03.2019 18:00
Bis: 28.03.2019 20:00
Französische Friedrichstadtkirche

© imago / United Archives

Inhalt

Die sogenannten Kirchenartikel der Weimarer Reichsverfassung wurden ins Grundgesetz der Bundesrepublik übernommen. Aber wie gestaltete die Evangelische Kirche in Deutschland ihr Verhältnis zur Demokratie in den letzten 100 Jahren? Der Blick in die deutsche Geschichte und das Verhalten der Mitglieder Evangelischer Kirchen zeigen immer wieder Skepsis gegenüber der Demokratie. Nicht nur nach dem Ende des Kaiserreiches, auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Begeisterung über die Demokratie im Protestantismus eher verhalten. Ein entschlossenes positives Votum der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Demokratie gab es mit der Denkschrift „Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie“ erst 1985. Kirche als Lernort der Demokratie? I

Im Jahr 2019 liegt es nahe, auf Wegmarken der Demokratieentwicklung zu blicken: 100 Jahre Weimarer Demokratie, 70 Jahre staatliche Teilung, 30 Jahre Friedliche Revolution. Der Blick richtet sich auf die historischen Ursachen der deutschen Teilung, auf Scheitern und Erfolg von Demokratie in Deutschland, die Geschichte der Diktaturen und des Widerstands und auf das Agieren einer Kirche, die sich vor hundert Jahren mit dem Verlust ihrer Rolle als Staatskirche auseinandersetzen musste, die in der NS Diktatur weitgehend versagte, sich als Baustein der Friedlichen Revolution von 1989 zeigte und sich in ihren heutigen offiziellen Positionen nahezu vorbehaltlos auf die Demokratie bezieht.

Am ersten Abend unserer fünfteiligen Reihe schauen wir auf das Jahr 1918. Mit der Revolution endete nicht nur das Kaiserreich, sondern auch das landesherrliche Kirchenregiment mit seiner Allianz von Thron und Altar. Waren die evangelischen Landeskirchen bis dahin bevorzugt, mussten sie sich nun mit einer neuen Verfassungssituation arrangieren. Mit der Negativformulierung „Es besteht keine Staatskirche" wurden die Verhältnisse in der Weimarer Reichsverfassung neu bestimmt. Der Staat sollte weltanschaulich neutral sein und keine Religionsgemeinschaft favorisieren. Diese Verhältnisbestimmungen wirken durch ihre Aufnahme in das Grundgesetz bis heute weiter. Aber die Gesellschaft verändert sich. Die christlichen Volkskirchen sind nur noch knapp in der Mehrheit, regional sind sie oft sogar nur Minderheit. Vertreter des Islam erwarten gleichwertige Anerkennung und Konfessionslose kritisieren die Rolle der Religionsgemeinschaften. Wir schauen an diesem Abend auf das Verhältnis von Staat und Kirchen in Vergangenheit und Gegenwart und laden Sie zu Tischgeprächen ein. Mit Unterhaltungs- und Theaterliteratur und Filmmusik der 20er Jahre begleitet uns an diesem Abend Ute Falkenau. Sie ist die musikalischeLeiterin und Pianistin des „Theater im Palais".

Dr. Rüdiger Sachau, Akademiedirektor

Programm

Donnerstag, den 28. März 2019

Ab

17.30 Uhr Einlass für angemeldete Gäste

18.00 Uhr Musik und Begrüßung

18.10 Uhr Revolution und Kirche

Der schwierige Übergang der evangelischen Kirchen von der Monarchie zur Republik

Dr. phil. Christian Nottmeier, Historiker, Superintendent

Kirchenkreis Neukölln, Berlin

Musik

18.45 Uhr Staat und Religion in Deutschland

Verhältnisbestimmungen im Wandel

Prof. Dr. Christian Waldhoff, HU Berlin, Juristische

Fakultät

Musik

19.15 Uhr Tischgespräche

Musik

19.35 Uhr Staatsleistungen – Pluralismus – Unterricht

Kirche und Staat in der Gegenwart

Ein Gespräch zwischen

Dr. Thomas Heinrichs, Vizepräsident Humanistischer

Verband Deutschlands (HVD), Landesverband Berlin-

Brandenburg

und

Dr. Jörg Antoine, Konsistorialpräsident der Evangelischen

Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

(EKBO)

19.50 Uhr Stimmen aus den Tischgesprächen

Musik

20.05 Uhr Verabschiedung und Musik

Bis

20.45 Uhr Gelegenheit zu Nachgesprächen an den Tischen

Die folgenden Abende der Reihe:

Kirchen lernen Demokratie – lehren Kirchen Demokratie?

Kirche als Lernort der Demokratie II

Mittwoch, 22. Mai 2019

An diesem Abend geht es um das Verhältnis der Kirche zur

Demokratie. Wie hat sich die Kirche zur Demokratie geäußert

und was sagt sie heute? Wie hat sie ihre Rolle in der Friedlichen

Revolution gesehen?

Die Rollen von Pfarrerinnen und Pfarrern in politischen Transformationsprozessen

Kirche als Lernort der Demokratie III

Dienstag, 2. Juli 2018

An diesem Abend werden wir über die öffentliche Dimension

des Pfarrberufes nachdenken. Studierende der Theologie an der

HU werden uns Ergebnisse ihrer Forschungen zu Pfarrerinnen und

Pfarrern vor und nach 1989 vorstellen.

Wie politisch muss die Kirche sein?

Kirche als Lernort der Demokratie VI

Mittwoch, 18. September 2019

Demokratie muss immer wieder neu gelernt werden. Was ist

die Rolle der Kirchen heute angesichts populistischer und nationalistischer

Anfeindungen der Demokratie?

Gesprächskulturen – Streitkulturen

Kirche als Lernort der Demokratie V

Montag, 28. Oktober 2019

Straßenkampf und Agitation oder lieber Runder Tisch und

Friedensgebet? Was hat die Kirche aus den Erfahrungen von 1919

und 1989 gelernt, und kann man heute konstruktiv streiten?

Änderungen des Programms vorbehalten!

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Leitung

Dr. Rüdiger Sachau

Akademiedirektor

Telefon (030) 2 03 55 -505

Kooperation/Förderung

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