ABGESAGT - Potsdam

Exkursion

ABGESAGT - Potsdam

Ringen um die Mitte

Berlin-Brandenburgische Stadtexkursionen

Tagungsnr.
12/2020
Von: 28.03.2020 10:00
Bis: 28.03.2020 19:00
Potsdam

Inhalt

Um die Gestaltung von Potsdams Mitte wird seit Jahren gerungen. Dabei sind die Konfliktfragen: Wie viel DDR darf bleiben? Wie viel Preußen soll es wieder werden? Welche völlig neuen Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten sind vorhanden? Im alten Rechenzentrum ist ein Kreativzentrum entstanden, die drei jüdischen Gemeinden werden bald mit dem Bau einer Synagoge beginnen, das Schloss dient schon lange als Landtag mit alter äußerer Anmutung und modernem Inhalt. Die Zukunft des Mercure-Hotels bleibt offen, der Turm der Garnisonkirche soll als Friedens- und Versöhnungszentrum entstehen, die Frage des Kirchenschiffes bleibt ungeklärt. Wir erkunden die Lage vor Ort und diskutieren mit Engagierten.
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 14. April 1945, legte die Royal Air Force die barocke Potsdamer Mitte in Schutt und Asche. Vom Stadtschloss, von der Garnisonkirche und von zahlreichen repräsentativen Bauten und Bürgerhäusern der ehemaligen preußischen Residenzstadt blieben nur ausgebrannte Ruinen. Anfang der 1950er-Jahre begann zunächst ein behutsamer Wiederaufbau. Die evangelische Kirchengemeinde richtete im Turm der Garnisonkirche die Heilig-Kreuz-Kapelle ein. An der Wilhelm-Staab-Straße und der Yorckstraße entstanden neue Wohngebäude nach dem Vorbild der barocken Typenbauten. Es begann eine Rekonstruktion des Stadtkanals und seiner berühmten mit Skulpturen geschmückten Brücken.

Im Frühjahr 1960 setzte das Politbüro der SED den Abriss der Schlossruine durch: der Start-schuss zur Umgestaltung der Alten Mitte zum Zentrum einer sozialistischen Bezirkshauptstadt. Ein neues Teilstück der Friedrich-Ebert-Straße legte sich von der Langen Brücke über das ehemalige Schlossareal bis zum Platz der Einheit. 1969 eröffnete am Kopf der Langen Brücke das Interhotel-Hochhaus als sozialistische Stadtkrone (Walter Ulbricht). Der ehemalige könig-liche Lustgarten wurde zum Wilhelm-Liebknecht-Forum umgebaut. Gegen den Protest der Kirchengemeinde und des damaligen Generalsuperintendenten Albrecht Schönherr erfolgte Mitte 1968 die Sprengung des Turms der Garnisonkirche. Damit war das entscheidende Hin-dernis zum Ausbau der nun Wilhelm-Külz-Straße genannten Breiten Straße zur sozialistischen Magistrale aus dem Weg geräumt. Schon in den Jahren 1962-65 war der Stadtkanal zugeschüttet worden. 1971 wurde an der Ecke Dortustraße die Breite Brücke abgerissen und ein Rechenzentrum fertiggestellt. Es ist von einem künstlerisch gestalteten Mosaikband umzogen: Der Mensch bezwingt den Kosmos. 1977 eröffnete am Alten Markt / Friedrich-Ebert-Straße das modern gestaltete Gebäude des Instituts für Lehrerbildung Rosa Luxemburg.

1990 schloss sich die DDR der Bundesrepublik Deutschland an. Zu diesem Zeitpunkt befand sich am Standort des ehemaligen Stadtschlosses ein riesiger Betonwürfel: der Rohbau eines neuen Theaters. Um die Option einer Rekonstruktion des Alten Marktes einschließlich des Stadtschlosses offenzuhalten, forderte eine Bürgerinitiative die Beseitigung des Rohbaus. Bereits 1991 erfolgte der spektakuläre Abriss – eine markante Wende im Umgang nicht nur mit der Alten Mitte, sondern mit der gesamten Potsdamer Altstadt. Der Rat der Stadt beschloss Grundsätze zur behutsamen Stadterneuerung und gründete den Sanierungsträger Potsdam.
Das war vor fast 30 Jahren. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Aber um die Gestaltung der Potsdamer Mitte wird bis heute gerungen. Die Konfliktfragen sind:
Wie viel DDR darf bleiben? Wie viel Preußen soll es wieder werden? Welche völlig neuen Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten sind vorhanden?

Heinz-Joachim Lohmann
Evangelische Akademie zu Berlin

Hans Tödtmann
Arbeitskreis Stadtpolitik

Programm

Samstag, den 28. März 2020

10.00 Uhr Potsdam Alter Markt
Treffpunkt: Porticus der Nikolaikirche,
Zahlung Teilnehmerbeitrag, Ausgabe Audiogeräte

10.15 Uhr Führung zur Stadtsanierung der Potsdamer Mitte
Birgit Peseke-Lusti, ProPotsdam GmbH, Projektleiterin Sanierungsgebiet Potsdamer Mitte
- Alter Markt, Neubebauung mit Landtag und Havelufer
- Entwicklung im Fachhochschulareal
- Neubau Synagoge
- Breite Straße, Stadtkanal und Plantage
- Rechenzentrum: Zwischennutzung als Kunst- und Kreativquartier
- Standortentwicklung ehemalige Feuerwache

12.40 Uhr Mittagspause
Gaststätte Zur Linde, Lindenstraße 18

14.00 Uhr Garnisonkirche
Breite Straße 7
Turmbaustelle - Führung in drei Gruppen (nacheinander)
(parallel) Besichtigung der Ausstellung in der temporären Kapelle
Die Garnisonkirche – Fragmente & Perspektiven

15.00 Uhr Kaffeepause (individuell / Café-Empfehlungen vor Ort)

16.00 Uhr Garnisonkirche - Nagelkreuzkapelle
Podiumsgespräch zur Auseinandersetzung um den Wiederaufbau der Garnisonkirche
Martin Vogel, Oberkirchenrat, theologischer Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam
Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin Nagelkreuzgemeinde
Heinz-Joachim Lohmann, Studienleiter Evangelische Akademie zu Berlin

17.30 Uhr Pause (Vorschlag: Kurzbesuch der Kunstausstellung Blickwinkel 1.0)

18.00 Uhr Garnisonkirche - Nagelkreuzkapelle
Gottesdienst – Predigtreihe "Gerechtigkeit – Ein Phantom?"
Predigt: Militärbischof Dr. Sigurd Rink
Liturgie: Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin Nagelkreuzgemeinde
Musik: Marina Philippova

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Leitung

Heinz-Joachim Lohmann

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche im ländlichen Raum

Telefon (030) 203 55 - 407

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