Suizidassistenz unter neuen Rahmenbedingungen

Fachgespräch

Suizidassistenz unter neuen Rahmenbedingungen

Verantwortung und Praxis in diakonischen Einrichtungen

Tagungsnr.
22148
Von: 17.10.2022 13:00
Bis: 17.10.2022 18:45
Online
Nahaufnahme eines älteren sterbenden Mannes, der die Hände seiner Frau hält

© Photographee.eu / shutterstock

Inhalt

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid wirft nicht zuletzt für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in diakonischer Trägerschaft viele grundsätzliche Fragen auf. Bei diesem Fachgespräch geben wir Impulse zu diesen Themen und Raum zum Austausch.
In diakonischen Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind Mitarbeitende seit jeher mit Sterbewünschen konfrontiert. Auch bei guter (palliativmedizinischer) Behandlung sehnen sich manche Menschen anhaltend und ausdrücklich danach, dass „alles endlich vorbei" ist. Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 zum assistierten Suizid stehen solche Äußerungen in einem neuen, kontrovers diskutierten rechtlichen Kontext. Das Gericht hat ein Grundrecht jedes Menschen auf Inanspruchnahme von Hilfe zur Selbsttötung festgestellt – und zwar unabhängig von Alter und Krankheitszustand.
Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind herausgefordert, sich der aktuellen Situation zu stellen. Wie gehen Ärztinnen, Pflegende und Seelsorgende mit Suizidwünschen um? Welche Gesprächsangebote, Schutzkonzepte und Entscheidungsprozesse gestalten Einrichtungen? Lassen diakonische Träger in Ausnahmefällen Suizidassistenz in den eigenen Räumlichkeiten zu oder müssen Sterbewillige ihre Kliniken oder Pflegeeinrichtungen verlassen? Wer ist ggf. an der Durchführung eines assistierten Suizids beteiligt? Welche Rolle kommt Seelsorgenden im Spannungsfeld von Beratung, Begleitung und Assistenz zu? Wie ist mit Minderjährigen, mit dementen Patientinnen oder mit „lebenssatten", aber nicht terminal erkrankten Bewohner*innen oder Patient*innen umzugehen? Und nicht zuletzt: Wie reagieren diakonische Träger darauf, dass manche Sterbewünsche durch Missstände im Pflege- und Sozialsektor mitbedingt sind und dass ein sensibler Umgang mit ihnen beispielsweise aufgrund des Fachkräftemangels erschwert sein kann?
Zielgruppe des Fachgesprächs sind Mitarbeitende in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie Multiplikator*innen aus Kirche, Diakonie, Politik, Pflege- und Medizinethik. Die Veranstaltung ist offen für interessierte Bürger*innen.


Programm

13.00 Uhr Zugang zum virtuellen Konferenzraum

13.15 Uhr Begrüßung und Einführung
Simone Ehm, Studienleiterin Ethik in den Naturwissenschaften, Evangelische Akademie zu Berlin
Dr. Werner Weinholt, Leitender Theologe, Johannesstift Diakonie, Berlin

13.30 Uhr Suizidassistenz in diakonischen Einrichtungen – welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten, wo gibt es Regelungsbedarf?
Prof. Dr. Christoph Goos, Leiter der Rechtsabteilung, Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig

14.15 Pause

14.30 Uhr Das Urteil des BVerfG zu §217 als Herausforderung für die Organisationsethik diakonischer Einrichtungen
Prof. Dr. Michael Coors, Theologische Fakultät, Universität Zürich

15.15 Uhr Zwischen Selbstbestimmung und Lebensschutz – Wie wird die Neuregelung zum assistierten Suizid umgesetzt und wie übt sie sich auf das Selbstverständnis diakonischer Einrichtungen aus?

Erfahrungsaustausch in Arbeitsgruppen


Impulse aus der Praxis

15.45 Uhr „Es soll endlich ein Ende haben" – Zur Gestaltung von Schutzkonzepten und ethischen Entscheidungsprozessen
Martina Pleyer, Vorständin, Martha Stiftung Hamburg
Annegret Puttkammer, Pfarrerin, Theologische Vorständin des Neukirchener Erziehungsvereins

16.45 Uhr Beraten, Begleiten, Assistieren? Zur Rolle von Seelsorgenden bei Suizidassistenzwünschen
Dr. Dorothee Arnold-Krüger, Theologische Referentin, Zentrum für Gesundheitsethik, Hannover

17.15 Uhr Pause

17.30 Uhr Assistierter Suizid in der diakonischen Einrichtung oder in externen Räumlichkeiten? Wie Suizidwünsche in Ausnahmefällen umgesetzt und Mitarbeitende dabei begleitet werden können
Dr. Werner Weinholt, Leitender Theologe, Johannesstift Diakonie, Berlin

18.00 Uhr Sterbewünsche im Kontext der Missstände im Gesundheits- und Pflegesektor - Welche Verantwortung übernehmen Kirche und Diakonie?
Gespräch mit den Referierenden und dem Publikum

Ende gegen 18.45 Uhr

Teilen

Leitung

Simone Ehm

Studienleiterin für Ethik in den Naturwissenschaften

Telefon (030) 203 55 - 502

Kooperation/Förderung

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