Im Zentrum von Peter Ohlendorfs Langzeitdokumentation "Die keiner will" steht die Schwarzwälder Baufirma Domiziel. Das Unternehmen versucht, ökonomisches Handeln und soziales Engagement bei der täglichen Arbeit zu vereinen und zugleich sozialen Wohnungsbau zu betreiben.
Das Konzept, mit dem Domiziel startet: Es werden Menschen ins professionelle Bauteam geholt, die keiner will – weil zum Beispiel Obdachlose oder Strafgefangene weithin als „kaum integrierbar“ gelten. Dieses Team saniert alte Häuser, die oft das Ortsbild prägen, aber deren Nutzung nach heutigen Gewinnvorstellungen nicht rentabel genug ist. In die sanierten Häuser ziehen unter anderem benachteiligte Menschen ein – Menschen, mit denen keine hohen Mieteinnahmen zu erzielen sind.
Einer der Protagonisten des Films ist Karl, der nach ein paar Monaten Obdachlosigkeit zu Domiziel kommt und so wieder in der Arbeitswelt Fuß fassen kann. Mehr noch: Er kann schließlich auch eine Wohnung beziehen im ehemaligen Gasthaus zum Hirschen, den Domiziel nach jahrelangem Leerstand auch dank Karls Mitarbeit zu neuem Leben erweckt. Das Gebäude bietet jetzt Raum für Familien, eine privat organisierte Demenzgruppe und Menschen wie Karl.
Indem der Film das Konzept von Domiziel fünfzehn Jahre lang beobachtet, kann er ehrliche Antworten geben auf Fragen wie: Was wird aus einem sozialen Projekt wie dem renovierten Gasthaus über einen längeren Zeitraum hinweg? Kann sich Karl in seinem neuen Zuhause auch langfristig stabilisieren? Gelingt einem Projekt wie Domiziel das Überleben in einer Branche, in der ökonomische und nicht soziale Aspekte im Vordergrund stehen?
An die Vorführung der Dokumentation schließt sich ein Filmgespräch mit Regisseur Peter Ohlendorf an.
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