Viele Sinti*- und Roma*-Familien sprechen bis heute nur in Bruchstücken über das Leid, das sie durch Verfolgung und Ausgrenzung erleben – zu tief sitzen Schmerz, Verlust und Ausgrenzung. Dieses Schweigen ist selbst Teil der Geschichte: Es kann schützen, aber auch belasten. Transgenerationale Traumata zeigen sich oft erst Jahrzehnte später – in Ängsten, Unsicherheiten oder dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Die damit verbundenen Gefühle und Ängste werden fast unbemerkt an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Dadurch stehen auch jüngeren Generationen von Sinti* und Roma* vor der Frage, wie sie mit diesen prägenden Elementen ihrer Biografien umgehen sollen.
„Als Kind habe ich nicht Alles verstanden. Aber die Angst habe ich nie vergessen.“
(Zilli Schmidt, Sinteza, Autorin und Holocaust Überlebende)
Mit ihrem Film „Grandma Mother Me“ (Schweden, 2024) macht Regisseurin und Traveller Lotta Adolfsson spürbar, wie sich Geschichte in Familien einschreibt: in Träumen, in Zuneigung, in unausgesprochenen Sätzen. Und sie zeigt, wie das Unsagbare dennoch seinen Weg findet: durch Bilder, durch Gespräche, durch Widerstand – Widerstand, der meistens bei den Betroffenen selbst anfängt. Doch der Film bleibt nicht beim Schmerz stehen. Er erzählt vom Mut, das Schweigen zu brechen. Von Empowerment als täglicher Praxis. Von Frauen, die ihre Geschichte selbst in die Hand nehmen.
Im Anschluss an die Vorführung laden wir zu einem Gespräch mit Aktivist*innen und Expert*innen ein. Gemeinsam möchten wir darüber diskutieren, welche Auswirkungen transgenerationale Traumata heute haben, wie das Schweigen gebrochen werden kann und welche Rolle Selbstorganisation, Bildung und Film für kollektive und individuelle mentale Gesundheit spielen.
Die Veranstaltung ist kostenlos. Für Getränke und eine kleine Stärkung im Anschluss ist gesorgt.
Haus der EKD
Charlottenstraße 53/54
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