Wie erinnern wir an Kriege, an Vertreibung, an Gewalt? Diese Frage wird immer wieder diskutiert, denn Erinnerungskultur ist ein dauerhafter politischer und gesellschaftlicher Aushandlungsprozess. Erzählungen werden neu verhandelt, Verdrängtes wird ans Licht gezerrt, die Erwartungen darüber, was sagbar ist, treffen oft schmerzhaft aufeinander. Wie wollen wir Geschichte schreiben und an nachfolgende Generationen vermitteln?
In ihrem Film „Mirror Image“ untersucht und hinterfragt die jüdisch-israelische Filmemacherin Danielle Schwartz das zionistische Narrativ ihrer Familie; zugleich lädt sie zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ein. Ein alter Spiegel im Haus der Großeltern wird zum Ausgangspunkt familiärer Erinnerungen und Geschichten aus dem Krieg in den Jahren 1947 – 1949, in dem arabische Palästinenser*innen vertrieben wurden. Es geht der Regisseurin um eine intime Reflexion über Erinnerung und Identität.
Im Mittelpunkt des Kurzfilms der deutschen Regisseurin Anna Brass steht eine Uhr. Die französische Widerstandskämpferin Marie-Antoinette Pappé, die die letzten Kriegstage versteckt in einem deutschen Dorf verbracht hat, findet nach ihrer Rückkehr in die Heimat in ihrer Jackentasche eine Uhr. Die Rückgabe erweist sich als schwierig: Wohin gehört die Uhr nach all den Jahren? Das Tauziehen darum wirft ein Licht auf unsere heutige Erinnerungskultur.
Wir zeigen die beiden Kurzfilme und laden im Anschluss zur Diskussion ein, an der auch die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann teilnimmt.
Französische Friedrichstadtkirche
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