Die rechtliche Situation zum assistierten Suizid in Deutschland ist weiterhin ungeklärt. Aktuell erarbeitet eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe neue gesetzgeberische Vorschläge; wann es zu einer verbindlichen Regelung kommen wird, ist offen. Zugleich ist zu erwarten, dass die gesellschaftliche, politische und fachliche Debatte in den kommenden Monaten weiter an Dynamik gewinnt.
Das Online-Fachgespräch greift diese Situation auf und verfolgt zwei Ziele: Zum einen werden fachliche Perspektiven zusammengeführt und die konkrete Situation in Einrichtungen und Diensten in den Blick genommen, um angesichts rechtlicher Unsicherheiten Orientierung für die Praxis zu geben. Zum anderen sollen ethische, fachliche und praxisbezogene Perspektiven systematisch in den aktuellen gesellschafts- und gesundheitspolitischen Diskurs eingebracht werden.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach den Verantwortlichkeiten und Aufgaben von Mitarbeitenden in Gesundheits- und Pflegeberufen sowie nach den Grenzen ihrer Verantwortung. Wie kann sichergestellt werden, dass Menschen, die einen assistierten Suizid in Erwägung ziehen, angemessen über alternative Unterstützungs- und Begleitangebote informiert werden? Außerdem geht es um die Frage, wie die Fähigkeit zu einer selbstbestimmten Entscheidung eingeschätzt werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Gesprächen zur Aufklärung über assistierten Suizid und die Anforderungen, die sie im Blick auf Dokumentation und Transparenz erfüllen sollen.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auch auf die übergeordnete Ebene: Welche gesetzlichen Regelungen und Anpassungen erscheinen aus fachlicher und ethischer Perspektive sinnvoll, um sowohl die Selbstbestimmung von Betroffenen als auch den Schutz vulnerabler Personen zu gewährleisten? Welche Rahmenbedingungen benötigen Einrichtungen, Dienste und Fachkräfte, um verantwortungsvoll handeln zu können?
Die Veranstaltung wird in fachlicher Kooperation mit den Herausgeber*innen des Buches "Assistierter Suizid: Ein Thema in der Pflege?", Prof. Dr. Constanze Giese, Dr. Marianne Rabe und Prof. Dr. Fred Salomon durchgeführt.
14:00 Uhr Begrüßung & Einführung
14:05 Uhr Rechtslage & Regelungsoptionen
Wo stehen wir rechtlich und welche Regelungsmodelle werden politisch diskutiert?
Tanja Unger, Fachanwältin für Medizinrecht, Kanzlei Putz Sessel Soukup Steldinger, Kanzlei für Medizinrecht, München
14:30 Uhr Praxisrealität in Einrichtungen und Diensten
Mobile Ethikberatung in Lippe - Erfahrungen mit Anfragen zur Suizidassistenz
Prof. Dr. Fred Salomon, Chefarzt a.D. Anästhesiologie und Intensivmedizin, außerplanmäßiger Professor für Ethik in der Medizin, Evangelischer Theologe
Artikulation von Suizidwünschen von Patient:innen im Behandlungskontext – Erfahrungen und Unterstützungsbedarf von Krankenhausmitarbeitenden
Dr. Anna-Christin Willert, Mitglied des Klinischen Ethikkomitees der Charité und Oberärztin der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité
15.30 Uhr Pause
15.40 Uhr Reflexion ethischer und praktischer Fragen
Wie können Mitarbeitende auf Suizidwünsche reagieren und wie gelingt es, über mögliche Alternativen ins Gespräch kommen?
Matthias Gockel, Oberarzt Palliativmedizinischer Konsildienst, Sana Klinikum Lichtenberg, Vorstand Home Care Berlin e.V.
Sterbewünsche - Multiprofessionelle Einschätzung und die Rolle der Pflege
Ulla Rose, Geschäftsführerin Home Care Berlin
Freiverantwortlichkeit: Anforderungen und Realität – Ergebnisse aus der Studie „Assistierte Suizide in München“
Dr. med. Ass. jur. Benno Schäffer, Habilitand am Institut für Rechtsmedizin, LMU München
Die Rolle von Pflegekräften bei der Suizidprävention – Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Anfragen nach Suizidassistenz älterer Menschen in der stationären und ambulanten Langzeitpflege – pflegeprofessioneller Umgang und Suizidprävention“
N.N., Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege, Hochschule Esslingen
17:00 Uhr Praxisperspektiven im politischen Diskurs
Praxis trifft Gesetzgebung: Welche Anforderungen ergeben sich aus der Versorgungspraxis für eine gesetzliche Regelung, die Selbstbestimmung und Schutz verbindet?
Dr. Kirsten Kappert-Gonther, MdB
im Gespräch mit Referierenden und Teilnehmenden der Tagung
17:30 Uhr Ende der Veranstaltung
Änderungen des Programmablaufs vorbehalten.