Führung steht unter Druck – und das nicht nur dort, wo geführt wird. Aktuelle Daten zeigen, dass das Engagement von Führungskräften weltweit inzwischen deutlich schneller zurückgeht als das ihrer Teams. Ein bemerkenswerter Befund: Auch diejenigen, die Verantwortung tragen sollen, werden zunehmend nicht mehr getragen.
Gleichzeitig gerät die Wirksamkeit von Führung selbst unter Druck. Rund 70 Prozent großer Veränderungsvorhaben verfehlen laut Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey ihre Ziele. Und die durchschnittliche "Lebensdauer" eines S&P-500-Unternehmens – also jener Institutionen, deren Zukunft Führung sichern soll – hat sich seit den 1960er-Jahren mehr als halbiert. Was bedeutet das für Führung?
Wir erleben eine Zeit zunehmender Polarisierung, dysfunktionaler Konflikte und wachsender Unsicherheit. Gesellschaftlich stellt sich deshalb die Frage: Was kann und muss Führung in dieser Situation leisten? Und organisational: Wie antwortet Führung auf abnehmende Wirksamkeit, wachsenden Veränderungsdruck und zunehmende persönliche Belastung?
Die Tagung öffnet dafür einen Denk- und Gesprächsraum für Menschen mit aktivem Gestaltungsanspruch – aus Unternehmen, NGOs und Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft. Bewusst sektorübergreifend und in einem kuratierten Kreis von rund 160 persönlich eingeladenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wollen wir Führung nicht nur beschreiben, sondern gemeinsam neu befragen.
Im Zentrum stehen drei Fragen:
Wozu Führung? Welche gemeinsamen Ziele leiten unser Handeln? Entstehen sie aus dem freien Spiel von Partikularinteressen – oder müssen sie politisch ausgehandelt, begründet und immer wieder neu hergestellt werden?
Wie gelingt Führung? Welche Haltung, welche Praxis und welche Sprache braucht Führung, die nicht nur funktionieren, sondern Wirkung entfalten will? Wie lassen sich Energie und Erfolg, Verantwortung und Wirksamkeit, Orientierung und Offenheit miteinander verbinden?
Welche Rolle spielen Führende und Geführte? Führung ist keine Einbahnstraße. In einer zunehmend komplexen und konflikthaften Welt sind auch Geführte gefordert: Sie müssen Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen und Dialogfähigkeit entwickeln, damit ein offener und gemeinwohlorientierter Diskurs überhaupt möglich bleibt.
Die Tagung ist deshalb kein klassischer Führungskongress. Sie ist ein Denkraum für Leadership: mit kurzen Impulsen, zwei vertiefenden Tischgesprächsrunden und viel Raum für Austausch, Widerspruch und gemeinsames Nachdenken.
Dabei gilt die Chatham House Rule. Der vertrauliche Rahmen soll ermöglichen, auch schwierige Fragen offen anzusprechen, Positionen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Leadership braucht heute mehr als Orientierung für die eigene Organisation. Sie braucht die Fähigkeit, unter Bedingungen von Konflikt, Unsicherheit und Veränderung Räume für gemeinsames Handeln zu schaffen. Die Tagung lädt dazu ein, darüber ins Gespräch zu kommen: Wozu Führung – und wie muss Führung heute gestaltet sein, damit sie wieder trägt?
Es handelt sich, um eine Veranstaltung des Alumni-Vereins der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Französische Friedrichstadtkirche
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