Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für geflüchtete Menschen verändern sich derzeit tiefgreifend. Mit den Änderungen im reformierten Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS), der Verschärfung der europäischen Rückführungspolitik, dem zunehmenden Einsatz von KI in der Migrationsverwaltung sowie dem anhaltenden Druck auf soziale Unterstützungssysteme entstehen neue Fragen für die Praxis.
Dabei ist klar: Die Rechte geflüchteter Menschen sind nicht verhandelbar – auch dann nicht, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen verändern. Das gilt in besonderer Weise für geflüchtete Menschen mit Behinderungen. Diese Menschen haben Anspruch auf Diskriminierungsschutz, Teilhabe und Autonomie – auch im Asyl- und Aufnahmesystem. Einen zentralen rechtlichen Rahmen hierfür bildet die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK).
Handicap International e. V. und die Evangelische Akademie zu Berlin laden gemeinsam dazu ein, aktuelle politische und rechtliche Entwicklungen einzuordnen, und ihre konkreten Auswirkungen auf geflüchtete Menschen mit Behinderungen zu diskutieren. Zugleich gilt es, danach zu fragen, wo Handlungsspielräume bestehen, wie sie genutzt werden können und welche Akteur:innen nötig sind, damit aus Rechthaben auch tatsächlich Rechtbekommen wird.
Die Konferenz bringt Fachakteur:innen, Vertreter:innen aus Verwaltung und Politik, Berater:innen sowie Selbstvertreter:innen zusammen und schafft Raum für unterschiedliche Perspektiven an der Schnittstelle von Flucht, Migration und Behinderung.
Handicap International/Humanity & Inclusion (HI) ist eine gemeinnützige Organisation für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die in rund 60 Ländern aktiv ist. Sie setzt sich für eine solidarische und inklusive Welt ein. Sie verbessert langfristig die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung und unterstützen diejenigen, die besonderen Schutz benötigen. Außerdem arbeitet HI für eine Welt ohne Minen und Streubomben sowie für den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg. HI ist Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises von 1997. Handicap International e. V. ist der deutsche Verein von HI.
Crossroads ist der Arbeitsbereich von Handicap International e. V. für Projekte, um die Teilhabe Geflüchteter mit Behinderung zu verbessern.
9:00 Uhr Anmeldung und Kaffee
10:00 Uhr Eröffnung
Dr. Inez Kipfer-Didavi, Geschäftsführerin von Handicap International
10:15 Uhr Rahmenmoderation und Einführung in den Tag
Dr. Max Oliver Schmidt, Studienleiter Migration und Europa, Evangelische Akademie zu Berlin
10:30 Uhr Keynote I: Vom Recht zur Realität – was sich für geflüchtete Menschen mit Behinderungen ändern muss
Nujeen Mustafa, Aktivistin und Selbstvertreterin
11:00 Uhr Recht haben, Recht bekommen? Durchsetzung der Rechte geflüchteter Menschen mit Behinderungen in Zeiten politischer Veränderung
Rebecca Hoerschelmann, Richterin am Verwaltungsgericht Berlin, 34. Kammer
Claire Deery, Fachanwältin für Migrationsrecht und Vorsitzende des Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Nujeen Mustafa, Aktivistin und Selbstvertreterin
Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e. V. (angefragt)
Moderation: Pia Lotta Storf, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Internationales Öffentliches Recht und Internationalen Menschenrechtsschutz, Universität Münster
12:00 Uhr Mittagspause
13:05 Uhr Keynote II: Inklusion und Diskriminierungsschutz im Asylverfahren – Die UN-BRK bei der Schutzgewährung durchsetzen
Sophia Eckert, LL. M., Handicap International - Crossroads e.V.
14:00 – 15:30 Uhr parallele Workshops
1. Empowerment ermöglichen
Erfahrungen aus drei Jahren Projektpraxis an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung
Umgesetzt wird der Workshop von den am Projekt beteiligten Partner*innen ArrivalAid gGmbH München, Diakonisches Werk Freiburg, Johannesstift Diakonie Proclusio gGmbH Berlin und Handicap International e. V.
2. Erfahrungsaustausch für Sozialberatende
Geling-Bedingungen für die Ermessensentscheidungen des AsylbLGs aus gesundheitswissenschaftlicher Sicht (30 Teilnehmende)
Mirjam Schülle, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Behinderung, Inklusion und soziale Teilhabe, Universität Kassel
Moderation: Wolfram Buttschardt, Handicap International – Crossroads e.V.
3. Bedarfsgerechte Aufnahme
Menschenrechtliche Spielräume bei der Umsetzung der GEAS-Reform auf Landesebene
Nicolay Büttner, Leitung Politische Arbeit und Advocacy, Netzwerkkoordination BNS
Johanna Mantel, UN-Sichtbar, Equal Rights Beyond Borders und Refugee Law Clinic
4. Deutsche und europäische Rückführungspolitik
Die neue EU-Rückführungs-Verordnung und Auswirkungen auf Menschen mit Behinderungen
Stefan Keßler, Direktor, Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland
Wiebke Judith, Teamleiterin Recht & Asyl. Pro Asyl
Moderation: Refugee Advisory Board (angefragt)
5. Different Countries, Different Barriers?
The living conditions of persons with disabilities in Syria, Afghanistan and Iraq and their assessment in asylum procedures (working language: English)
Noor Bimbashi, Syria Country Office, Humanity & Inclusion (HI)
Mazedul Haque, Afghanistan Country Office, Humanity & Inclusion (HI)
Regina Jördens-Berneburg, Fachanwältin für Migrationsrecht
Moderation: Sophia Eckert, Handicap International e.V. - Crossroads
6. Eingliederungshilfe für Personen mit Aufenthaltstiteln, Schwerpunkt Ukraine
Ulrike Schwarz, juristische Referentin Flucht, Migration und besonderer Schutz
15:30 Uhr Kaffee
16:00 Uhr Wenn Daten über Schutz entscheiden (Fish-Bowl)
KI, sensible Daten und der Schutz der Rechte geflüchteter Menschen mit Behinderungen
Franziska Görlitz, Verfahrenskoordinatorin, Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V.
Anna Biselli, Co-Chefredakteurin, netzpolitik.org
Moderation: Jessica Schröder, Projektmitarbeiterin „Kiez inklusiv leben“, VskA Berlin
17:00 Uhr Wrap-Up
17:15 Uhr Ende der Veranstaltung
Bei Fragen zum Programm wenden Sie sich bitte an veranstaltungen@deutschland.hi.org.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Wir bitten um Ihre verbindliche Anmeldung bis zum 1.11.2026.
Französische Friedrichstadtkirche
Gendarmenmarkt 5
10117 Berlin