Deutschland ist ein säkularer Staat, aber nicht laizistisch organisiert, sondern kennt Kooperationen von Staat und Religionsgemeinschaften. Der Staat ermöglicht also nicht nur religiöses Leben, sondern arbeitet auch mit Religionsgemeinschaften zusammen – in der Schule, bei der Militärseelsorge oder über den Einzug der Kirchensteuer.
Der Religionsunterricht ist Teil des staatlichen Bildungssystems und zugleich an religiöse Bekenntnisse gebunden. Die Kirchensteuer wird von staatlichen Finanzbehörden eingezogen. In der Militärseelsorge begleiten Geistliche Soldatinnen und Soldaten im Auftrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften in enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. An diesen unterschiedlichen Feldern zeigt sich: Das Verhältnis von Religion und Staat ist im Alltag viel enger, als es die Rede von der Trennung von Staat und Kirche vermuten lässt.
Doch wo endet Ermöglichung und wo beginnt Macht? Welche Interessen und Abhängigkeiten entstehen durch die Zusammenarbeit von Staat und Religionsgemeinschaften? Und wie lässt sich das Verhältnis in einer Gesellschaft gestalten, in der religiöse Vielfalt zunimmt und immer mehr Menschen keiner Religion angehören?
Dabei geht es nicht nur um Kirchen und Staat. Es geht grundsätzlicher um die Frage, welche Macht Religion in einer Demokratie haben kann und soll – und welche Verantwortung mit dieser Macht verbunden ist.
Nach einem Impuls von General Ruprecht von Butler (berufenes Mitglieder EKD-Synode) diskutieren die ehemalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken) und der Münchner systematische Theologe Reiner Anselm über das Verhältnis von Religion und Macht. Dabei geht es auch um konkrete Formen staatlich-religiöser Zusammenarbeit und um die Frage, wie dieses Verhältnis unter den Bedingungen einer pluralen Demokratie weiterentwickelt werden kann – insbesondere dann, wenn diese Demokratie unter Druck steht.
Die Veranstaltung ist Teil der gemeinsamen Reihe Religion und Demokratie der Evangelischen Akademie zu Berlin und des Debattenforums der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 64
10117 Berlin