Antisemitismuskritik bleibt christliche Aufgabe
Christian Staffa über die „Erziehung zur Zartheit“

© EAzB / Karin Baumann
Antisemitismus wird immer salonfähiger. Eine Konsequenz dieser Entwicklung sollte die Infragestellung christlicher Selbstbilder sein, die aus dem Feindbild „des Juden“ entstehen konnten, sagt Christian Staffa. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „zeitzeichen“ plädiert er für ein Verständnis der biblischen Botschaft als Anleitung zur „Erziehung zur Zartheit“ gegen Menschenverachtung und Hass.
Die Situation in Deutschland habe sich nach dem 7. Oktober 2023 verschärft, so der Studienleiter, der auch Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kampf gegen Antisemitismus ist. Die Bedrohung für die jüdische Community durch israelbezogenen Antisemitismus werde auch am massiven Anstieg der antisemitischen Gewaltdelikte deutlich.
Weiterhin sei daher auch nach den christlichen Selbstbildern zu fragen, die sich in der Rezeptionsgeschichte der Bibel am Feindbild „des Juden“ durchgesetzt haben. Hier würden christliche Liebe gegen angebliche alttestamentliche Gewalt, Gnade gegen Gesetz „und eben am Ende Glaube gegen Unglaube, Erwähltheit gegen Verlust der Erwähltheit“ gesetzt. Im Gegensatz dazu gehe es in der „antisemitismuskritischen Hermeneutik der Ambivalenz“ um Empathie, die sich gegen Barbarei, Menschenverachtung und Unmündigkeit richtet.
Erschienen am 05.03.2026
Aktualisiert am 05.03.2026
