Eine theologische Brandmauer

Eine theologische Brandmauer

Warum die Kirchen sich so klar von der AfD abgrenzen

Porträtfotos von Friederike Krippner und Christoph Maier

© Karin Baumann/EAzB (Porträt Krippner), Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt (Porträt Maier)

Die klare Abgrenzung der verfassten Kirchen gegenüber der AfD hat gute theologische Gründe. Doch sie berührt auch Fragen nach dem Selbstverständnis und der eigenen Geschichte. Das zeigen Akademiedirektorin Friederike Krippner und Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, in einem Beitrag für die Mai-Ausgabe der evangelischen Zeitschrift zeitzeichen auf. 

Die Deutsche Bischofskonferenz grenzte sich schon im Februar 2024 mit einer Erklärung klar von der AfD ab. Die Evangelische Kirche in Deutschland schloss sich dem an; ihre Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs rief sogar ausdrücklich zum Widerstand gegen die Partei auf. Beschlüsse vieler Bistümer und Landeskirchen untermauern diesen Kurs. 

Warum aber grenzen sich die Kirchen so klar von einer Partei mit wachsender Wählerschaft ab, fragen Krippner und Maier in ihrem Beitrag. Ihre Antwort: Nehme man die programmatischen Aussagen der AfD ernst, dann ergebe sich „ein einheitliches und deutliches Bild, das die Partei durchdringt. Es sind also weniger die einzelnen Äußerungen, nicht bestimmte Forderungen, die die Kirchen zu ihrer klaren Abgrenzung von der AfD bewogen haben – sondern es ist das geschlossene Weltbild, das auf der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen beruht“, so das Autorenteam. 

Und weiter: „Es gibt also sehr gute theologische Gründe für die klare Haltung der Kirchen: Denn das Menschenbild der AfD ist mit der christlichen Idee der Gottesebenbildlichkeit und der jesuanischen Forderung der Nächstenliebe nicht ein Einklang zu bringen.“

Nicht hinter Aufklärung und Moderne zurückfallen

Daneben gehe es aber auch um das Selbstverständnis der heutigen Kirchen in Abgrenzung zu ihren unrühmlichen Rollen in den Zeiten von Kaiserreich und Nationalsozialismus, so Krippner und Maier: Auf den zweiten Blick liege die Abgrenzung zur AfD „gar nicht nur auf politischem Terrain, sondern sie hat mit der Identität eines Kirchentums zu tun, das zu einer durch Aufklärung und Moderne geläuterten religiösen Ausdrucksform gefunden hat, hinter die die Kirche aus guten Gründen nicht wieder zurückfallen will.“ Die Gefahr der programmatischen Aussagen der AfD liege darin, dass sie resonanzfähig sei für kirchliche Gemeinschaften, die in einer antimodernen Ausrichtung auch eine Erlösung von ungeliebten Begleiterscheinungen der Moderne sähen. 

Kirchenpolitisch folge aus der theologischen Unvereinbarkeit mit der AfD Großes für die Solidarität der Landeskirchen und Bistümer untereinander, betonen Krippner und Maier. „Denn sollte die AfD in einem der genannten Bundesländer an die Macht kommen, dann ist davon auszugehen, dass dies desaströse Folgen für die dortigen kirchlichen Strukturen haben wird.“ Damit Kirche gerade in diesen Zeiten stark bleiben könne, müsse dies auch finanziell solidarisch abgesichert werden.

Stellungnahmen zur Demokratie

Mit regelmäßigen Stellungnahmen zur Demokratie treten die Direktorinnen und Direktoren der fünf ostdeutschen Evangelischen Akademien seit dem Superwahljahr 2024 öffentlich für eine differenzierte und klare Haltung zu gesellschaftlichen Fragen ein. Dazu laden sie jeweils Gäste aus Gesellschaft, …

Es braucht Viele

Wie lässt sich die liberale Demokratie verteidigen?

Man stelle sich vor, folgende Begriffe dürften nicht mehr verwendet werden: Klimakrise, Behinderung, Frauen, psychische Gesundheit. So absurd das klingt, so real ist es – und zwar in den Vereinigten Staaten von Amerika. Rund 200 Begriffe, hat US-Präsident Donald Trump verfügt, sollen von …

Teilen

Krippner, Friederike 2020

Dr. Friederike Krippner

Akademiedirektorin

Telefon (030) 203 55 - 505

Anmeldung
Newsletter
nach oben

Cookies und Datenschutz

Unsere Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies und die Möglichkeit diese abzulehnen, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.