Identitätsstiftende Narrative und Austausch
23. Ost-Westeuropäisches Gedenkstättentreffen in Kreisau

© Ulrich Mählert, Bundesstiftung Aufarbeitung
Eine Exkursion zum Schloss Fürstenstein hat das 23. Ost-Westeuropäische Gedenkstättentreffen in Kreisau bereichert. Das Schloss liegt in den Waldenburger Bergen in den Mittelsudeten, wo sich noch immer Spuren der nationalsozialistischen Herrschaft finden: Die Felsen sind von Tunneln durchzogen, die bis heute Rätsel aufgeben.
Klar ist, dass hier in Zwangsarbeit ein verzweigtes unterirdisches Gängesystem in die Berge geschlagen wurde. Der genaue Zweck der Anlagen ist historisch nicht sicher belegt. Sollte hier eine Bunkeranlage für die NS-Führung entstehen, die vor der Bombardierung Berlins fliehen wollte?
Wie präzise andere Relikte der nationalsozialistischen und der kommunistischen Verbrechen in Ost- und Westeuropa erforscht sind, wie das Gedenken an die Opfer gestaltet wird und wie sich identitätsstiftende Narrative entwickeln: Darüber tauschten sich bei der Tagung Historiker:innen und Mitarbeitende von Gedenkstätten aus ganz Europa aus.

© Ulrich Mählert, Bundesstiftung Aufarbeitung
Das Ost-Westeuropäische Gedenkstättentreffen geht auf eine Initiative um den DDR-Oppositionellen Ludwig Mehlhorn zurück, der in späteren Jahren als Studienleiter an der Evangelischen Akademie zu Berlin wirkte. Auch in diesem Jahr bot das jährliche Treffen ein Dialogforum für den offenen Austausch über unterschiedliche Perspektiven auf die Prägungen durch Verbrechen des 20. Jahrhunderts und die aktuellen Gefahren für eine freie, wertegeleitete Auseinandersetzung.
Die Erinnerung über Grenzen hinweg stärkt Europa und die Resilienz freier Gesellschaften. Denn, so der litauische Historiker Marius Pečulius: „Museen sind keine geschlossenen Gebäude.“
Erschienen am 15.04.2026
Aktualisiert am 16.04.2026


