"Alle müssen Antisemitismusbeauftragte sein"
Christian Staffa im epd-Interview

© EAzB/Karin Baumann
Judenfeindschaft muss mit Aufklärung und Bildung bekämpft werden, sagt Studienleiter Christian Staffa. Neben Fakten müssten auch die Emotionen dahinter thematisiert werden, aktuell besonders beim israelbezogenen Antisemitismus.
Dem wachsenden Antisemitismus muss nach Überzeugung Staffas, der auch Antisemitismusbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, intensiver entgegengewirkt werden. „Das Engagement gegen Antisemitismus muss verstärkt und grundlegender werden", sagte der 66 Jahre alte Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Meine Auffassung ist eigentlich, dass wir alle dauerhaft Antisemitismusbeauftragte sein müssten."
Staffa ist seit 2019 als erster EKD-Antisemitismusbeauftragter im Amt und geht zum Jahresende in den Ruhestand. Bereits seit 2013 ist der promovierte Theologe Studienleiter Demokratische Kultur und Kirche an der Evangelischen Akademie zu Berlin, davor war er von 1999 bis 2012 Geschäftsführer von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.
Es sei wichtig, auch dem israelbezogenen Antisemitismus entgegenzutreten, so Staffa: „Man muss das mit Fakten probieren aber auch mit der Frage, was den Leuten daran emotional so wichtig ist." Zur Aufklärung gehörten beispielsweise auch Hinweise auf historisch falsche Israelkarten bei Protesten und darauf, dass das „früher gar nicht alles palästinensisch" gewesen sei, sondern britisch und davor türkisch.
Die Emotionalität im Blick auf das Thema verhindere, dass Aufklärung allein helfe, betont der Theologe: „Man muss auch an die Emotionen rankommen." Die Abwertung Israels sichere ein eigenes positives Selbstbild. „Israel ist böse und wir sind gut, weil wir hier auf die Straße gehen ohne jede geschichtliche Kenntnis und ohne jedes Risiko und auch ohne den Versuch, sich in den anderen, also Israel, hineinzuversetzen."
Dass dies auch an Universitäten um sich greife, hätte er nicht gedacht, sagt Staffa: „Ein intellektuelles Selbstbild müsste eigentlich verlangen, Dinge von zwei Seiten zu beleuchten." Zu Debatten über Antisemitismus in der Linken, die im Zusammenhang mit deren Erfolg bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus geführt werden, zeigte er sich beunruhigt, dass darüber die Frage, „was die AfD in Sachsen-Anhalt macht“, in den Hintergrund gerate.
(Quelle: epd/EAzB)
Erschienen am 27.10.2026
Aktualisiert am 27.10.2026



