Nicht wegschauen
Gedenken an im Holocaust ermordete Sinti* und Roma*

© Susanne M. Neumann
Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 fand ein Gedenkgottesdienst im Berliner Dom statt. In seiner Kanzelrede warnte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Brand davor, das Geschehene zu vergessen.
„Verantwortung zeigt sich nicht allein im Erinnern, sondern im Handeln“, betonte Brand. „Es ist ein Auftrag, der sich im Alltag entscheidet, in Schulen, in Behörden, in den Medien, in der Polizeiarbeit, in Gerichten, in ganz konkreten Begegnungen. Denn Ausgrenzung und Abwertung beginnen nicht mit der vollständigen Entrechtung. Sie beginnen mit Worten, Bildern, mit Gerüchten, mit dem Gefühl. Nicht ganz dazuzugehören.“
Vor zahlreichen Gottesdienstbesucher*innen unterstrich Brand, der auch der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland ist: „Antiziganismus ist nicht verswunden. Antisemitismus ist nicht verschwunden. Und wer glaubt, man könnte das eine bekämpfen und das andere relativieren, hat nichts verstanden.“
Der Völkermord an Sinti und Roma endete nicht am Tag der Befreiung, so Brand. „Die Vernichtung endete. Der Terror endete. Aber die Folgen gingen weiter – in Körpern, in Familien, in Biografien.“ Viele Überlebende und auch deren Nachkommen litten unter diesem Trauma, unter weiterer Ausgrenzung und Unverständnis im Nachkriegsdeutschland. „Nach 1945 war für viele Überlebende nicht plötzlich ‘Gerechtigkeit‘. Es gab neue Demütigungen, alte Vorurteile, neue Aktenzeichen, alte Klischees. Es gab – viel zu oft – nicht Anerkennung, sondern Zweifel. Nicht Zuhören, sondern Abwehr.“
Auch heute würden Minderheiten wieder zum Problem erklärt oder zu Sündenböcken gemacht, sagte Brand. Doch ein demokratischer Staat stehe und falle mit dem Schutz seiner Minderheiten. Daher seien alle Akteure in Gesellschaft und Politik gefordert.
Bis zu einer halben Million Sinti* und Roma* aus ganz Europa fielen dem Völkermord in der Zeit des Nationalsozialismus zum Opfer. Tausende wurden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.
Zum Gedenkgottesdienst eingeladen hatten der Berliner Dom, das Netzwerk Sinti Roma Kirchen, der Landesrat Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Verein Mer Ketne.
Erschienen am 29.01.2026
Aktualisiert am 29.01.2026

