Plädoyer dafür, Komplexität wahrnehmen
Akademiedirektorin im Gespräch auf rbb24 Inforadio

© Karin Baumann / EAzB
Akademiedirektorin Friederike Krippner hat im rbb24 Inforadio dafür geworben, Grautöne und Ambiguitäten auszuhalten. Dies gelte etwa in Debatten über die je eigene Haltung zu Krieg und Frieden, aber auch bei politischen Auseinandersetzungen über andere Fragen.
Natürlich könne man Frieden als absolut gut und Krieg als absolut böse betrachten. „Die Frage ist ja nur: Was ist die Konsequenz daraus, wenn wir dann wirklich Konflikte in der Welt haben?“ sagte Krippner in dem knapp halbstündigen Studiogespräch, das am Karfreitag als Teil eines Thementags Gut und Böse ausgestrahlt wurde.
Unter anderem ging es darin um die neue, im vergangenen Herbst vorgestellte EKD-Friedensdenkschrift, zu deren Redaktionsteam Krippner gehörte. Auf die Frage, wozu es in Zeiten von Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten ein Kirchenpapier brauche, sagte sie: „genau dafür, wahrzunehmen, dass es Grautöne gibt und dass man die auch aushalten können muss – was keineswegs verwechselt werden darf mit Beliebigkeit.“
Frieden als Verheißung Gottes
Als theologischen Grundgedanken der Denkschrift beschrieb Krippner, Frieden als eine Verheißung Gottes zu verstehen – also als etwas, das „auf Erden nicht allein durch Menschen hergestellt werden kann, aber mit der Gnade Gottes gelingen kann“. „Wir gehen davon aus: Es gibt diese Verheißung Gottes, aber es gilt damit umzugehen in einer ‚unerlösten‘ Welt mit all ihren Unzulänglichkeiten.“
Die Abwägung, was das zu einer konkreten Frage wie der eigenen Haltung zur Wehrpflicht in der Praxis bedeutete, könne am Ende stets nur im politischen Einzelfall getroffen werden. „Die Ethik kann aber Orientierung dafür geben, wie der jeweils zu beurteilen ist“, so Krippner weiter. „Es ist ein sehr starkes Plädoyer dafür, nicht zu schnell ins ‚gut‘ oder ins ‚böse‘ zu verfallen, sondern jede politische Situation in ihrer Komplexität wahrzunehmen.“ Dazu gehöre, die Folgen einer Entscheidung für eine bestimmte Haltung dann auch zu Ende zu denken.
„Im Gespräch bleiben“
Mit Blick auf Bedrohungen für die Demokratie und den Umgang mit menschenfeindlichen politischen Haltungen warb die Akademiedirektorin für eine Diskussionskultur, „die ganz stark im Zuhören liegt“. Dabei sehe sie alle in der Verantwortung: Politik, Journalismus, aber auch jeden und jede Einzelne. Es gelte, bei allen Schwierigkeiten im Gespräch zu bleiben und keine Brücken abzubrechen, so Krippner: „Was Kirche da leisten kann, ist dass sie Räume eröffnet dafür – aber nicht Podien öffnet für Menschen, die menschenfeindliche Positionen vertreten.“
Krippner betonte: „Ich glaube, dass es immer die Chance gibt zu verändern. Ich glaube, dass wir immer noch in einer sehr starken Demokratie leben.“ Der überwiegende Teil der Wählerinnen und Wähler wolle demokratische Kräfte und zweifle nicht grundsätzlich am demokratischen System.
Erschienen am 01.04.2026
Aktualisiert am 03.04.2026



