Erinnerung ist konflikthaft und vielstimmig. Nach 1989/90 stießen in Gedenkstätten in Ost- und Westeuropa Narrative über NS-Verbrechen und kommunistische Herrschaft aufeinander. Diese Konflikte wurzeln im verordneten Antifaschismus der DDR und Osteuropas einerseits sowie in westdeutschen und westeuropäischen Deutungen des Nationalsozialismus, die kommunistische Verbrechen oft verharmlosten. Das Ringen um die Erinnerung an die Shoah und das Gedenken an stalinistische Massenverbrechen führte zu neuen Debatten – auch über marginalisierte Opfergruppen.
Erinnerung ist ein von individuellen Sichten geprägter Aushandlungsprozess. Das Gedenkstättentreffen 2026 richtet den Blick auf die Transformation europäischer Gedenk- und Lernorte nach 1989/90 und fragt: Wie veränderten sich die Narrative, Orte und Museen seit 1989?
Mittwoch, 08.04.2026
Bis
17:00 Uhr Ankunft und Anmeldung (Rezeption, Gebäude Kuhstall)
17:00 Uhr Geführte Besichtigung des Geländes (Treffpunkt: Gebäude Kuhstall)
18:30 Uhr Abendessen
19:30 Uhr Begrüßung und Einführung in das Gedenkstättentreffen durch die Veranstalter (Multifunktionssaal, Gebäude Scheune)
Im Anschluss freie Zeit für Gespräche (Café U Hrabiego, Gebäude Kuhstall)
Donnerstag, 09.04.2026
08:00 Uhr Frühstück
09:00 Uhr Keynotes
Dr. Andrea Genest, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Dr. Jacek Konik, Muzeum Niepodległości, Warszawa
10:00 Uhr Kaffeepause
10:15 Uhr Panel I - Orte des Dissenses: Gedenkstätten in Vergangenheit und Gegenwart
Das erste Panel widmet sich Orten des Dissenses – Gedenkstätten mit dem Thema: mehrfache Diktaturvergangenheit und Aufarbeitung stehen im Zentrum. Dabei werden Konflikte, Dissens, aber auch konstruktiver Austausch und Konfliktlosungen ins Zentrum der Diskussion gestellt. Anhand von konkreten Beispielen aus dem Praxisfeld – Museum, Gedenkstätte, Dokumentationszentrum – in Europa wird das Thema aus verschiedenen Perspektiven diskutiert.
Christoph Meissner, Museum Berlin-Karlshorst
Dr. Aliaksandr Dalhouski, Minsk-Geschichtswerkstatt/IBB
Dr. Joanna Ostrowska, Uniwersytet Jagielloński, Krakow
Susanne Schade, Gedenkstatte Deutscher Widerstand, Berlin
12:00 Uhr Mittagspause
13:00 Uhr Panel II - Rolle der Zivilgesellschaft und Erinnerungskultur
Das zweite Panel untersucht die Rolle der Zivilgesellschaft in Ost- und Westeuropa: NGOs, Bürgerinitiativen und Public Historians prägen Erinnerung, versuchen dabei aber auch, Konflikte mit staatlichen Institutionen einzubeziehen. Der Blick richtet sich nicht nur auf die Zivilgesellschaft als Gegenstand von Ausstellungen an Gedenkstätten und Dokumentationszentren. Gleichzeitig werden auch die Perspektiven der unmittelbaren Nachkriegszeit, der 68er-Bewegung, der staatlichen Opposition im kommunistischen Herrschaftsbereich bis hin zu postmigrantischen Communities miteinbezogen, die auf individuelle Weise Deutungshoheit und Mitsprache einforder(t)en.
Zbigniew Gluza, Fundacja Ośrodka KARTA, Warszawa
Jutta Weduwen, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Dr. Julia Wohlrab, Dokumentationszentrum Nationalsozialismus, Freiburg
Hanna Lehun, Arolsen Archives, Bad Arolsen
Anna Krenz, Kollektiv Dziewuchy, Berlin
14:30 Uhr Kaffeepause
14:45 Uhr Panel III - Generationen, Narrative und Identitäten: Sowjetische Lager als Erinnerungsorte nach 1990
Das dritte Panel stellt Generationen, Narrative und Identitäten in den Vordergrund und beleuchtet, wie unterschiedliche Generationen Perspektiven auf das Thema sowjetische Internierung nach 1945 setzen. Welche Herausforderungen gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges? Welche Herausforderungen sind beim Themenkomplex Opfer sowje*scher Gewaltherrschaft nach 1989/90 und dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa hinzugekommen?
Dr. hab. Bogusław Kopka, Uniwersytet Komisji Edukacji Narodowej, Krakow
Katharina Bergmann-Pfleger, Ludwig Boltzmann Institut fur Kriegsfolgenforschung, Graz
Evita Feldentale, Latvijas Okupācijas muzejs, Riga
Dr. Elke Stadelmann-Wenz, Gedenkstatte Hohenschönhausen, Berlin
Dr. Petra Haustein, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
16:15 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr World Café - Workshop KI und Gedächtnis
Künstliche Intelligenz wird im musealen Bereich und an Gedenkstätten bewusst genutzt und eingesetzt, aber es gibt auch Fallstricke. Dabei geben die Referenten Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit. Im World-Cafe-Format werden sowohl Chancen und Möglichkeiten als auch Hindernisse und Risiken beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Bildmaterial, Dokumenten und Objekten diskutiert.
Paweł Sawicki, Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim
Dr. Ulrich Mahlert, Bundessstiftung Aufarbeitung
Michael Gordon, Filmuniversitat Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam
Dr. Marcin Wilkowski, Uniwersytet Warszawski
Konstantin Schonfelder, Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung, Darmstadt
Prof. Dr. Renana Keydar, Hebrew University
19:00 Uhr Abendessen
Abends Freie Zeit für Gespräche
Freitag, 10.04.2026
08:00 Uhr Frühstück
09:00 Uhr Panel IV - Transnationaler Blick
Das vierte Panel bietet einen transnationalen Blick auf Erinnerungskulturen. Dabei soll diskutiert werden, wie unterschiedlich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit in West- und Osteuropa bis heute ist. Debatten um den 23. August als europäischen Gedenktag, Geschichte oder Erinnerungspolitiken und ihre jeweilige Prägung stehen im Fokus der Diskussion.
Bas Kortholt, Westerbork
Oliver Gaida und Laura Stobener, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Dr. Anette Homlong-Storeide, Stiftelsen Falstadsenteret, Ekne
Dr. Maria Kaminska, Palmiry Muzeum Warszawa
Simina Badica, Haus der Europäischen Geschichte, Bruxelles
11:00 Uhr Exkursion
Zamku Książ i Palmiarni – Schloss Furstenstein- als Erinnerungsort- Stollen,
NS-Zwangsarbeit und Projekt Riese
Adam Kerpel-Fronius, Stiftung Denkmal fr die ermordeten Juden Europas
Samstag, 11.04.2026
09:30 Uhr Panel V - Zukunft der Erinnerung
Das Panel thematisiert, wie geopolitische Veränderungen in Europa und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die Erinnerungskultur verändern und Gedenkstätten vor neue Chancen und Herausforderungen stellen. Wie kann die Zukunft der Erinnerung in Europa aussehen? Was sind wichtige Fragestellungen für die europäischen Erinnerungskulturen in der Gegenwart? Und wo können Gedenkstätten und Erinnerungsorte voneinander lernen?
Nicolas Moll, Memory Lab, Sarajevo
Irina Radchenko, Holocaust Remembrance Center, Dnipro
Marius Peculius, Fort IX, Kaunas
Alla Stashekvich, Belarusian Institute of Heritage, Warzawa
Lena Casiez, Camp des Milles, Aix-en-Provence
11:30 Uhr Abfahrt (Bus nach Berlin)
Das Treffen wird simultan Deutsch, Englisch und Polnisch gedolmetscht.
Die Veranstaltung wird für Dokumentationszwecke sowie im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ganz oder teilweise mit Bild und Ton aufgezeichnet. Wenn Sie nicht fotografiert werden möchten, nehmen Sie bitte im gekennzeichneten „Fotofreien Bereich“ Platz.
Änderungen des Programmablaufs vorbehalten.