Spitzenkandidaten fordern mehr Zusammenhalt
Diskussion auf Einladung der Kirchen vor der Wahl in Berlin

© Jörg Farys / Erzbistum Berlin
Die Konkurrenten um das Rote Rathaus haben bei einer Podiumsdiskussion auf Einladung der Kirchen dafür geworben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin zu stärken. Als konkrete Problemfelder benannten sie unter anderem Antisemitismus, antimuslimischern Rassismus und Queerfeindilchkeit. Beim Thema Religionsunterricht gingen die Meinungen auseinander.
Bei der gemeinsamen Veranstaltung Berlin wählt! Die Kirchen laden ein der Evangelischen Akademie zu Berlin und der Katholischen Akademie in Berlin diskutierten Spitzenkandidaten von CDU, SPD und Grünen sowie die Spitzenkandidatin der Linken. Eingeladen hatten der evangelische Bischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch.
„Der Respekt voreinander leidet"
Der CDU-Spitzenkandidat, Finanz- und Kultursenator Stefan Evers, sagte, der gesellschaftliche Kitt müsse gestärkt werden. „Wir sehen, dass der Respekt voreinander leidet." Er wende sich gegen „jede Art von Extremismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit, egal, woher sie kommt". Gegenüber jüdischem Leben bestehe eine „besondere historische Verpflichtung in dieser Stadt". Steffen Krach (SPD) forderte, es müsse „mehr Verbindung, weniger Spaltung" geben. Jüdinnen und Juden hätten Ängste in Berlin, über antimuslimischen Rassismus müsse „genauso gesprochen werden".
Elif Eralp (Linke) betonte, man müsse „weg kommen von der Polarisierung" hin zu einer „umarmenden Politik". Grünen-Kandidat Werner Graf beklagte, dass gemeinsame Projekte zwischen den Religionen, wie die Drei-Religionen-Kita oder das House of One, keine Gelder erhielten.

© Jörg Farys / Erzbistum Berlin
Stärkung des Religionsunterrichts oder freiwilliger Angebote?
Unterschiedliche Auffassungen gab es beim Thema Religionsunterricht. Während sich die Kandidaten der CDU und SPD für eine Stärkung des Religionsunterrichts an Berliner Schulen aussprachen, hielten Grüne und Linke am bisherigen Modell der Freiwilligkeit fest.
Evers sagte, er bevorzuge das brandenburgische Modell. Dort wird Lebensgestaltung-Ethik-Religion unterrichtet. Davon können Schülerinnen und Schüler sich abmelden, wenn sie dafür an einem Religionsunterricht teilnehmen. In Berlin ist Religion kein ordentliches Unterrichtsfach, ab der 7. Klasse ist Ethik Pflicht. Evers sagte, er begrüße auch einen islamischen Religionsunterricht.
Krach erklärte, Religion können einen wichtigen Beitrag für Dialog leisten. Er zeigte sich offen dafür, den Religionsunterricht wieder zu stärken. „In der Situation, in der wir uns befinden, brauchen wir starke Kirchen", sagte er. Graf argumentierte, es sei nicht der Zeitpunkt, eine „komplette Debatte" über Religionsunterricht zu führen. Er sprach sich dafür aus, den freiwilligen zu stärken, etwa dadurch, dass dieser nicht zu Randzeiten stattfinde. Auch Eralp verlangte verbesserte Bedingungen für die bisherige Form des Unterrichts.
Warnung vor Vertrauensverlust in die Demokratie
Die Bischöfe warnten unterdes vor einem Vertrauensverlust in die Demokratie. „Wir sind in sehr ernsten Zeiten", sagte der evangelische Bischof Stäblein. „Es gibt keine Demokratie ohne Menschen, die sich bereit erklären, sie zu füllen." Die Kirchen seien keine Partei, „aber wir sind parteiisch, wenn es um die Verteidigung unserer liberalen Demokratie geht".
(Bericht: epd/EAzB)
Erschienen am 09.09.2026
Aktualisiert am 15.09.2026


