Menschenwürde, Demokratie und Zivilgesellschaft stärken
Für offene Gesellschaft, Freiheit, Gerechtigkeit und Vielfalt

© EAD | Vertreter:innen der Evangelischen Akademien bei der EAD-Mitgliederversammlung im Herbst 2026
Nach den Wahlerfolgen der AfD befürchten die Evangelischen Akademien einem weiteren Rechtsruck. Bei der Mitgliedversammlung derr Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. (EAD) vom 2. bis 4. November 2026 in Bad Boll haben sie deshalb die folgende Erklärung verabschiedet:
"Die Evangelischen Akademien wurden nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schoah gegründet. Ihre Aufgabe ist es, Menschenwürde, Demokratie und Zivilgesellschaft zu stärken und für eine offene Gesellschaft, Freiheit, Gerechtigkeit und Vielfalt dauerhaft und nachhaltig einzutreten. Sie setzen sich gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus ein.
Ziele und Ideologie der radikalen Rechten und ihrer Netzwerke sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Die Grundsätze der Evangelischen Akademien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD und den ihr nahestehenden Organisationen aus.
In einer möglichen rechtsextremen Regierungsübernahme sehen wir demokratische Institutionen und Prinzipien sowie die plurale Zivilgesellschaft bedroht. In dieser Situation sollten Maßnahmen ergriffen werden, bestehende Strukturen zu stabilisieren, dass rechtsextreme Einflussnahme erschwert wird. Zugleich müssen eine unabhängige Justiz, Verwaltung, politische Bildung, Wissenschaft und Medien rechtlich und institutionell robust abgesichert und die dort Beschäftigten unterstützt werden, demokratische Standards auch unter politischem Druck aufrechtzuerhalten. Unsere Solidarität gilt allen, die sich gegen Rechtsextremismus sowie für Menschenwürde, Demokratie und Rechtstaatsprinzipien einsetzen – u. a. Menschen mit Migrationsgeschichte, Engagierten vor Ort, Kulturschaffenden."
Positive Vorstellungen einer lebenswerten Gesellschaft formulieren
"In der aktuellen Debatte über die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen empfehlen wir, eigene Themen zu setzen, anstatt ausschließlich auf die extreme Rechte zu reagieren. Demokratische Akteur:innen sollten positive Vorstellungen einer lebenswerten Gesellschaft formulieren und Demokratie mit konkreten Alltagserfahrungen verbinden. Demokratie muss als praktischer Gewinn und Möglichkeit gesellschaftlicher Mitgestaltung erfahrbar werden.
Wir ermutigen deshalb alle Menschen zu Vertrauensbildung, Kompromissbereitschaft und Kooperation innerhalb des demokratischen Lagers, um die politischen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen zu können.
Wir machen uns stark für langfristige horizontale und vertikale Solidaritätsstrukturen: Partnerschaften zwischen Ost und West, Stadt und Land und bundesweiten Fachverbänden. Dies gilt auch für den Zusammenhalt der Evangelischen Akademien in Ost- und Westdeutschland.
In unserer Arbeit bleiben wir nicht bei der Analyse von gesellschaftlichen Realitäten und Missständen stehen. Vielmehr wollen wir den Sinn fürs Mögliche wecken und dabei die Zuversicht hochhalten, dass sich Entwicklungen zum Besseren verändern lassen. Wir sind überzeugt, mit dieser Haltung einen Beitrag zur Stärkung und Widerstandsfähigkeit demokratischer Kultur zu leisten. Dazu gehört, unterschiedliche oder entgegengesetzte Interessen, Widersprüche, ungleiche Machtpositionen und plurale Identitäten auf Augenhöhe zu formulieren und zu verhandeln."
Erschienen am 05.11.2026
Aktualisiert am 05.11.2026





