Mobilität, Teilhabe und Zukunftschancen

Mobilität, Teilhabe und Zukunftschancen

Jugendmobilitätsgipfel bringt unterschiedliche Lebenswelten zusammen

Jugendliche stehen dich gedrängt um einen Tisch mit Stichpunkten auf einem großen Papierbogen

© et

Bei unserem Jugendmobilitätsgipfel kamen rund 50 junge Menschen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zusammen, um über Mobilität, Teilhabe und Zukunftschancen ins Gespräch zu kommen. Schnell wurde deutlich, wie unterschiedlich Mobilität zwischen Stadt und Land erlebt wird, aber auch, welche Gemeinsamkeiten es in ländlichen und urbanen Regionen gibt.

Zuvor hatten sich bereits alle Gruppen vor Ort in ihren jeweiligen Schulen dem Themenfeld der gerechten Mobilität genähert. Dabei standen die vielseitigen Aspekte von Mobilität sowie die eigenen Lebenswege im Zentrum. In Berlin trafen alle Gruppen erstmals aufeinander und schon bei der ersten Aufstellungsübung wurde deutlich, wie unterschiedlich mobil die Teilnehmenden waren. Bei einer Frage nach dem Schulweg zeigte sich etwa, wie lang und mit wie vielen Fahrzeugen diese gemeistert werden: eine Teilnehmerin aus Mecklenburg-Vorpommern erzählte, dass sie knapp zwei Stunden von Haustür zu Haustür brauche, zumindest, wenn kein PKW zur Verfügung stünde.  Andere Teilnehmende fahren täglich von Norderney mit dem Schiff nach Norddeich, von dort mit dem Bus bis Norden und ein paar Meter weiter zu Fuß zur Berufsschule. Wieder andere brauchten ähnlich lang quer durch Berlin, allerdings via U-Bahnen und E-Scooter, Motorrad oder Fahrrad.

Mobilität im Gespräch – zwischen Zielkonflikten und Zukunftsfragen

In Workshops und Gesprächen mit Expert:innen aus Politik und Gesellschaft diskutierten die Teilnehmenden ihre eigenen Erfahrungen: Wie erreicht man Ausbildung, Schule oder Freizeitangebote, wenn Busse selten fahren, Baustellen über längere Zeit stillstehen und Wege weit sind? Welche Chancen bietet das Leben in der Großstadt – und welche Hürden gibt es auch dort?

„Das Gefühl, wir seien mit dem Auto frei, stimmt so nicht. Wir haben uns aber daran gewöhnt, dass in Deutschland alles autozentriert ist“, leitete die Mobilitätsexpertin Katja Diehl ihr Eingangsstatement ein. Der SPD-Bundestagesabgeordnete Truels Reichardt hingegen betonte, dass es beim Thema Mobilität häufig Zielkonflikte gibt: günstigere Preise beim Führerschein und Autokauf stünden beispielsweise häufig im Dilemma zur Verkehrssicherheit. Dem stimmte Christoph Golbeck, Autohausbesitzer und Gründer der Mobilitätshaus GmbH aus Berlin zu und mahnte an, jedem Weg, das richtige Verkehrsmittel zu geben. Am Ende der Gesprächsrunden waren sich alle einig: Die Verteufelung einzelner Verkehrsmittel ist nicht hilfreich. Statt den Fokus auf Probleme zu richten, braucht es gemeinsame gesellschaftliche Anstrengungen, um nachhaltige und gerechte Lösungen im Bereich Mobilität zu entwickeln.

Abends jagten sich die Teilnehmenden dann bei der „Findet die Mobilitätszwerge“-Rallye wie in einem Live-Scotland-Yard-Spiel in Kleingruppen quer durch Berlin. Zwischen S-Bahn-Stationen und in einer U-Bahn wurden die beiden Zwerg-Gruppen schließlich von den Detektiv-Gruppen gefunden.

Mobilität im Planspiel – praxisnahe Einblicke in kommunale Entscheidungsprozesse

Am zweiten Tag wurde das Themenfeld Mobilität in einem eigens entwickelten interaktiven Planspiel besonders greifbar: Dabei schlüpften die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer fiktiven Bürgerbeteiligung in verschiedene Rollen: die der Bürgermeisterin, Vertretungen des Stadtrats und Personen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diskutiert wurden Fragen zu gerechter Mobilität, weil die Kommune „Gipfelstadt“ im Spiel den Bundeswettbewerb „Lebenswerte Kommune“ gewinnen möchte und finanzielle Mittel zur Umsetzung dafür zur Verfügung hat. Die Teilnehmenden verhandelten über die Absenkung von Bordsteinen, Warnwesten für Kinder, den Bau neuer Radwege oder lieber einer Tankstelle, über Kosten und barrierearme Zugänge und lernten dabei, wie schwierig es ist, politische Interessen durchzusetzen und Kompromisse einzugehen. Schließlich gelang es der Gruppe, sich für gemeinsame Maßnahmen zu einigen.

Das Projekt zeigte eindrücklich, dass Mobilität weit mehr bedeutet als das Zurücklegen von Wegen: Sie beeinflusst, wie erreichbar Bildung, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe tatsächlich sind. Die Begegnungen zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Lebenswelten eröffneten neue Perspektiven und förderten das Verständnis füreinander. So leistete der Jugendmobilitätsgipfel einen wichtigen Beitrag dazu, junge Menschen für gesellschaftliche Fragen zu sensibilisieren und sie darin zu bestärken, ihre Lebensrealitäten und Zukunft aktiv mitzugestalten.

Der Bericht von Juliane Dieckmann, Jana Preuß, Hannah Schilling und Sarah Vogel wurde zuerst im Blog der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) veröffentlicht. Die Veranstaltung fand im Rahmen et statt und wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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Studienleiterin gesellschaftspolitische Jugendbildung

Telefon (030) 203 55 - 311

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