Die Passionsgeschichte ohne Verschwörung erzählen

Vortrag

Die Passionsgeschichte ohne Verschwörung erzählen

Katharina von Kellenbach über den Gottesmordvorwurf

Die Bibel neu entdecken: Antisemitismuskritische Bibelauslegungen

Tagungsnr.
22121
Von: 08.09.2022 19:00
Bis: 08.09.2022 20:30
Online

Inhalt

Wie lassen sich die biblischen Geschichten ohne antijüdische Projektionsmuster erzählen? In unserer Reihe antisemitismuskritischer Bibelauslegungen denkt Katharina von Kellenbach darüber nach, wie sich die Passionsgeschichte ohne Verschwörungsmotive erzählen lässt.

Erst nach der Shoah haben die Kirchen allmählich ihren jahrhundertealten Vorwurf revidiert, „die Juden“ seien schuld an der Kreuzigung Jesu und damit am „Gottesmord“. Dennoch wirken die neutestamentlichen Texte weiter, die den Pharisäern (Mk 3,6, Joh 5,18), den Hohepriestern und Schriftgelehrten (Mk 14,1-2, Joh 5,18) oder den Juden insgesamt (Joh 5,18) unterstellen, sie „suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten“. Wie lässt sich das Bild der hinterlistigen jüdischen Eliten entkräften, die den zaudernden, von Jesu Unschuld überzeugten römischen Statthalter Pilatus dazu bewegen, einen Justizmord zu begehen? Im kritischen Nachdenken über Schuld und Unschuld, Macht und Ohnmacht eröffnen sich Perspektiven auf die Passionsgeschichte, die ohne eine jüdische Verschwörung auskommt.

In unserer Reihe antisemitismuskritischer Bibelauslegungen stellen renommierte sowie junge Exeget*innen neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Denn klischeehafte christliche Vorstellungen wirken oft bildhaft im säkularisierten Antisemitismus weiter: der alttestamentarische Gesetzesglauben; der Rachegott, der Blutopfer als Sühne verlangt und Beschneidung anordnet; der eine bestimmte Gruppe auserwählt (Kirche oder Synagoge) und dessen Verheißungen Nationalismus und Kolonialismus schüren.

In wissenschaftlich fundierten, aber leicht zugänglichen Auslegungen bestimmter Textpassagen hinterfragen wir diese karikierenden Vorstellungen an jedem zweiten Donnerstag im Monat. Die Exeget*innen schneiden dabei die antijüdische Rezeptionsgeschichte kurz an, entwickeln aber vor allem neue, kreative und lebendige Verständnismöglichkeiten, in denen die Schrift in ihrer Tiefe und Mehrdimensionalität neu zur Geltung kommt. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen.

Prof. em. Dr. Katharina von Kellenbach ist Referentin des Projektes Bildstörungen an der Evangelischen Akademie zu Berlin sowie Visiting Fellow in Christian-Jewish Relations am Boston College und Professor Emerita für Religionswissenschaften am St. Mary's College of Maryland.

Veröffentlichungen: Guilt: A Force of Cultural Transformation (Oxford University Press, 2022); The Mark of Cain: Guilt and Denial in the Lives of Nazi Perpetrators (Oxford University Press 2013); Anti Judaism in Feminist Religious Writings (Oxford University Press 1994).

Preise und Informationen

Die Teilnahme ist kostenfrei.

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Leitung

Dr. Christian Staffa

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche

Telefon (030) 203 55 - 411

Dr. Ulrike Metternich

Projektstudienleitung Feministische befreiungstheologische Sommerakademie

Telefon (030) 203 55 – 508 (über Silke Ewe)

Dr. Katharina von Kellenbach

Dr. Katharina von Kellenbach

Projektreferentin für „Bildstörungen: Elemente einer antisemitismuskritischen pädagogischen und theologischen Praxis“

Organisation

Eichhorst, Anne

Anne Eichhorst

Projektsachbearbeitung „DisKursLab“, Assistenz des Antisemitismusbeauftragten der EKD Dr. Staffa

Telefon (030) 203 55 - 407

Kooperation/Förderung

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