Ist Jesus besser als Mose?
Silke Petersen über Antijüdisches im Johannesevangelium

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In traditionellen Übersetzungen von Johannes 1,17 entsteht der Eindruck, als hätte Gott das Gesetz durch Moses gegeben, aber die Gnade und die Wahrheit erst durch Jesus geschenkt. Hier hören lutherisch geprägte Christ*innen auch die Auslegung Martin Luthers der paulinischen Rede von „Gnade und Gesetz“ mit. Wie selbstverständlich stehen Jesus und Gnade über Moses und dem Gesetz, also dem Judentum. Gleichwohl, zeigt Silke Petersen, geht es in diesem Vers um die „Fülle … der Gnade um Gnade“ (1,16), also um das Mehr, die Beifügung, die unerschöpfliche Gnade – nicht um Abgrenzung und Überbietung. Die Theologin erklärt die Übersetzung der Verse im Kontext des gesamten ersten Kapitels und fordert, sich von der Überlegenheitshermeneutik zu verabschieden, die Jesus über Moses stellten möchte. Denn damit werde Johannes, ebenso wie Paulus, falsch verstanden.
In unserer Reihe Antisemitismuskritische Bibelauslegungen stellen wechselnde Exeget*innen neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten.
Prof. Dr. Silke Petersen lehrt Neues Testament an der Universität Hamburg.
Erschienen am 19.02.2026
Aktualisiert am 19.02.2026



