Bildstörungen

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Bildstörungen

Elemente einer antisemitismuskritischen pädagogischen und theologischen Praxis

Bildstörungen

Antijudaismus schafft Zerrbilder, die oft subtil und nur mit geschultem Blick zu erkennen sind. Wer sich einen „Pharisäer“ im Café bestellt, der scheinheilig Alkohol im Kaffee versteckt, wird das meist nicht im Bewusstsein tun, sich gerade an einer antisemitischen Denunziation zu beteiligen. Dabei reproduziert er oder sie ein antijüdisches Zerrbild, das entwickelt wurde, um das rabbinische Judentum zu diffamieren.   

Das Projekt Bildstörungen will Mut machen, in Religionsunterricht und Gemeindearbeit aktiv und kreativ mit judenfeindlichen Traditionen, Themen und Texten in der christlichen Tradition umzugehen. In Seminaren und Vorträgen, einem Podcast (2023–2024) und Bildungsmaterialien sollen gängige Topoi des zeitgenössischen säkularen Antisemitismus, die bis in die Jugendkultur hinein allgegenwärtig sind, an ihre christlich-theologischen Wurzeln zurückverfolgt und dort bearbeitet werden. Denn der säkulare Antisemitismus ist ohne die christliche Rezeptionsgeschichte der Bibel nicht zu verstehen und nimmt – wenn auch meist unbewusst – deren in Jahrhunderten geschaffene und tradierte Bilder und Argumente auf.

Antijüdische Zerrbilder entstehen in drei theologischen und politischen Argumentationsfeldern:

  • bei der Suche nach der Schuld und den Schuldigen, die konkret verantwortlich gemacht werden können für das Unheil in der Welt, sei es Pandemie, Krieg oder Finanzkrise. Dafür werden Verschwörungsnarrative entwickelt, die auf der Passionsgeschichte und dem dort entstehenden Gottesmordvorwurf aufbauen.
  • In der Konstruktion dualistischer Weltbilder von Gut und Böse, Weiß und Schwarz, Freiheit und Gesetz, Liebe und Vergeltung wird das Jüdische mit dem Feind identifiziert und mit dessen Eigenschaften beschrieben.
  • Das „Neue“ verbessert und überwindet das „Alte“ in einer Enterbungstheologie, mit der das Judentum zur Vorgeschichte und Wurzel reduziert wird. Nach dieser Lehre hat das Judentum sein theologisches Existenzrecht verwirkt, weil es in Jesus Christus den Messias nicht erkannt habe. Die Weigerung der Juden und Jüdinnen, sich der christlichen Wahrheit zu unterwerfen, rechtfertigt demnach ihre Verfolgung, Vertreibung, und sogar Vernichtung.   

Aus diesen Dynamiken der Kollektivschuld, Überlegenheitshermeneutik und Enterbungstheologie entstehen konkrete Zerrbilder von den hartherzigen Pharisäern, der starren Gesetzesreligion, oder dem Rachegott. Das Projekt Bildstörungen sucht nach neuen Interpretationen und Auslegungen biblischer Texte und Motive, die mit diesen Traditionen und Dynamiken brechen. Erst auf diese Weise werden die biblischen Geschichten in ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit wieder lebendig und können gegen den Judenhass eingesetzt werden.

Das Projekt gehört zum Arbeitsbereich des Antisemitismusbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Christian Staffa. Finanziert wurde es von 2020 bis 2025 vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung.

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Kristina Herbst

Projektleitung „Bildstörungen“

Telefon (030) 203 55 - 516

Dr. Christian Staffa

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche

Telefon (030) 203 55 - 411

Gefördert durch Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Forschungsinstitut gesellschaftlicher Zusammenhalt Standort Berlin

Veranstaltungen

  • 2026 12 Feb

    Vortrag

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    Ist Jesus besser als Mose?

    Wenn in der Bibel Mose und Jesus im selben Satz vorkommen, wird das fast zwangsläufig als Gegenüberstellung gelesen. Mose steht dabei für das Judentum, Jesus für das Christentum; und selbstverständlich gilt das zweite als dem ersten überlegen. Aber… weiter
  • 2026 12 Mär

    Vortrag

    Online

    Zwischen Verdrängung und Provokation

    Marie Hecke über das Buch Esther

    Das Buch Ester erinnert daran, dass jüdisches Leben nie eine Selbstverständlichkeit war – aber auch, dass jüdischer Widerstand erfolgreich sein kann. Marie Hecke spricht über Misogynie und Judenhass, Assimilation und Emanzipation des Jüdischen in… weiter
  • 2026 9 Apr

    Vortrag

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    Herodes und der Kindermord

    Der «Kindermord zu Bethlehem» hat eine äußerst schwierige Wirkungsgeschichte. Tanja Oldenhage zeigt diesen Text als treibende Kraft in der Verbreitung der Ritualmordlüge mit ihren katastrophalen Folgen für jüdische Gemeinschaften. weiter
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