Das Buch Esther wird zu Purim komplett durchgelesen und erzählt von dem Versuch, das jüdische Volk zu vernichten, und von dem erfolgreichen Widerstand der Jüd*innen dagegen. In christlichen Kreisen scheint der Text in Vergessenheit geraten zu sein. Luther betrachtete Esther als „zu jüdisch“, wertete den Text als rachesüchtig und gewaltverherrlichend ab und wollte ihn sogar aus dem christlichen Kanon streichen. Der katholische Alttestamentler Erich Zenger bezeichnete das Ende des Buches Esther als „Antisemitenprogrom“. Bis heute polarisiert der Text, insbesondere die Schilderung des jüdischen Widerstandes. Die Theologin Marie Hecke fragt, warum dem Text, obwohl seine Erzählung hochaktuell und relevant ist, christlich so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und was Christ*innen daran bis heute provoziert.
Die Pfarrerin Dr. Marie Hecke arbeitet am Institut Kirche und Judentum Berlin. Sie ist Theologische Referentin von Prof. Julia Helmke, der Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO).
In unserer Reihe Antisemitismuskritische Bibelauslegungen stellen wechselnde Exegetinnen und Exegeten neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen. Zu der Reihe lädt die Akademie in Kooperation mit dem Institut Kirche und Judentum ein.