Der so genannte Gottesknecht in der Bibel ist eine Figur, die als Werkzeug Gottes fungiert. Die Berufung dieser prophetischen Gestalt und ihr Auftrag sind in den vier Gottesknechtsliedern im Buch Jesaja näher beschrieben. Dabei bleibt die Figur stets namenlos und damit bis heute ein Rätsel. Wer war dieser Gottesknecht? Gab es ihn wirklich oder handelt es sich nur um eine literarische Figur? Seine Anonymität führte dazu, dass der Gottesknecht immer wieder unterschiedlich interpretiert wurde - sowohl aus christlicher als auch aus jüdischer Perspektive. Sarah Döbler geht den unterschiedlichen Lesarten nach und fragt, ob am Ende eine eindeutige Identifizierung vielleicht gar nicht mehr so wichtig ist.
Dr. Sarah Döbler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg; ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der jüdischen Bibelauslegung und der Jesaja-Forschung.
In unserer Reihe Antisemitismuskritische Bibelauslegungen stellen wechselnde Exegetinnen und Exegeten neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen. Zu der Reihe lädt die Akademie in Kooperation mit dem Institut Kirche und Judentum (IKJ) ein. Die Veranstaltungen werden für das IKJ von Pfarrerin Dr. Marie Hecke mitgeleitet.