"Es ist ein Vorurteil und widerspricht dem Inhalt der Religionsschriften, wenn man von dem jüdischen Gott der Rache und dem christlichen Gott der Liebe redet“, schrieb vor hundert Jahren der Elberfelder Rabbiner Dr. Joseph Norden. In seiner Schrift „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ legte er dar, dass Juden wie Christen Gott als den strengen, vergelten Richter und gleichzeitig als den milden, verzeihenden Vater schilderten. Martin Vahrenhorst widmet sich der Aufarbeitung des von Norden beschriebenen, bis heute lebendigen Vorurteils. Mit seinem Beitrag soll ein weiterer Versuch unternommen werden, die Worte der Bergpredigt als das zu hören, was sie sind: Jüdische Stimmen in einem jüdischen Diskurs, der bis heute weitergeht.
PD Dr. Martin Vahrenhorst ist Schulreferent des Kirchenkreises An der Saar und Lehrbeauftragter an der Universität des Saarlands. Lange Jahre war er Studienleiter bei Studium in Israel e.V., einem Programm zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs in Jerusalem.
In unserer Reihe Antisemitismuskritische Bibelauslegungen stellen wechselnde Exegetinnen und Exegeten neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen. Zu der Reihe lädt die Akademie in Kooperation mit dem Institut Kirche und Judentum (IKJ) ein. Die Veranstaltungen werden für das IKJ von Pfarrerin Dr. Marie Hecke mitgeleitet.