Wie kann Gott eine solche «Opferung» befehlen? Und wie kann ein Vater auch nur überlegen, einem solchen Befehl zu gehorchen? Die Geschichte von Abraham und Isaak (Gen 22) gehört zu den bekanntesten und zugleich herausforderndsten Texten der Bibel. Viele ihrer Lesarten befördern antijüdische Klischees; tatsächlich ist die Erzählung an vielen Stellen «doppelbödig», literarisch vielschichtig und eröffnet weit mehr Fragen und Perspektiven, als eine oberflächliche Lektüre vermuten lässt. Und vielleicht macht es einen gewaltigen Unterschied, wenn die Erzählung nicht (wie im Christentum üblich) als «Opfer Abrahams» oder als «Opferung des Isaak» tituliert wird, sondern (wie im Judentum) als «Bindung Isaaks»?
Prof. Dr. Matthias Ederer hat Judaistik und Katholische Theologie studiert und arbeitet seit 2020 als Professor für Exegese des Alten Testaments an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern (Schweiz).
In unserer Reihe Antisemitismuskritische Bibelauslegungen stellen wechselnde Exegetinnen und Exegeten neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen. Zu der Reihe lädt die Akademie in Kooperation mit dem Institut Kirche und Judentum ein.
Die Veranstaltung findet online statt. Der zoom-link wird einige Tage vorher per E-Mail versandt. Die Teilnahme ist kostenfrei.